Tenzin Choe Dorol, eine großartige Frau, Mutter des Menri Lopon Trinley Nyima Rinpoche, verließ ihren Körper am Sonntag den 8. April, nachmittags um 16Uhr.
Menri Lopon's Worte: "Bitte betet für sie."
Der Tag ihres Abschieds war nach unserem Kalender der Ostersonntag.
Am Gründonnerstag vorher hatten wir diesen ersehnten Regenschauer, der das Kloster in den wunderschönen Regenbogen einhüllte.
Und am Karfreitag war zum ersten Mal in diesem Jahr der blaue Kuckuck zu hören, das Zeichen für die Anwesenheit von Tonpa Shenrab, dem Buddha und Begründer der Bon Religion.
Tenzin Choe Dorol hat ein erstaunliches Beispiel dafür gegeben, wie würdevoll und sanft ein Leben gelebt und geendet werden kann.
Als es ihr klar geworden war, daß ihr Leben in diesem Körper zur Neige geht, hat sie diese Tatsache vollkommen angenommen und einen sehr friedlichen und leichten Übergang manifestiert.
An ihrem letzten Tag bat sie um den Segen von His Holiness, dem Abt des Klosters Menri. Er gab ihr die direkte Einfürung in den natülichen Zustand. Sie stand aufrecht vor ihm, machte eine volle Niederwerfung und ließ ihren Kopf von seinem Fuß berühren.
Mit Ponlop Rinpoche, ihrem Sohn, rezitierte sie die Bardo Texte, die sie auswendig konnte. Sie verteilte mit klarem Geist und klarer Stimme alle ihre Wertgegenstände und bestimmte, wie mit ihrem Körper verfahren werden sollte. Alles an ihrem letzten Tag.
Mit ihrem letzten Atemzug sagte sie voraus, daß ihr Übergang nur für 5 Tage ein wenig schwierig sein werde, danach werde sie die Befreiung erreichen.
Was für ein großartiger Abschluß einer Lebenszeit!
Und welch überlegener Umgang mit dem Sterben! Wir im Westen täten gut daran, darüber nachzudenken, was ihr Beispiel zeigt.
Tenzin litt an Leberkrebs, der Spätfolge von chronischer Hepatitis B, eine Krankheit, die im "zivilisierten" Westen die Menschen in einen Albtraum von Krankenhausbehandlungen entsendet, sie mit Schläuchen und Apparaturen fesselt, ihre Körper mit starken Drogen überschwemmt, die letzten Kraftreserven fordert, gedankenlos gestärkt um ein paar mehr Tage zu gewinnen, an denen der Atem im Körper ein- und ausgeht.
Tenzin, jedoch, könnte sogar noch bis zuletzt auf die Toilette gehen!
In diesen letzten Tagen kam mir, wenn ich an Tenzin dachte, oft das schöne Eichendorff-Gedicht in den Sinn.
Es paßt zu ihr und ihrem letzten Tag:
Es war als hätt der Himmel
die Erde still geküßt,
Daß sie im Blütenschimmer
Von ihm nun träumen müßt.
Die Luft ging durch die Felder,
Die Ähren wogten sacht
Es rauschten leis die Wälder
So sternklar war die Nacht.
Und meine Seele breitet
Weit ihre Flügel aus,
Flog durch die stillen Lande
Als flöge sie nach Haus.
Die Granatapfelbäume im Tal haben zu blühen begonnen:

